Arthur Schopenhauers Mischung zwischen Aufklärung, Wissenschaftsorientierung und Mystik hat ihren vielleicht erstaunlichsten Einfluss auf einen Denker ausgeübt, dem man auf den ersten Blick kaum mit ihm in Verbindung bringen würde: Ludwig Wittgenstein, den philosophischen Vater analytischen Philosophie des 20. Jahrhunderts.
Wie Schopenhauer bindet Wittgenstein das Ethische an die metaphysische Voraussetzung einer Wirklichkeit, die nur in einer mystischen Erfahrung erreichbar ist. "Es ist klar", schreibt er, "dass sich die Ethik nicht aussprechen lässt. Die Ethik ist transcendendal".
Das Ethische ist hier im Schopenhauerschen Sinne gebraucht als der Bereich, in dem sich der Sinn des Lebens und der Welt fur uns realisiert. Auf ihn können wie nur hinweisen: Er lässt sich "zeigen«, z.B. durch eine bestimmte Art des Lebens und Handelns, aber er lässt sich nicht "aussagen" oder durch Regeln und Gebote ausdrücken.
Wie Schopenhauer ist Wittgenstein ein philosophischer Januskopf: Nach der einen Seite durchmisst er die Möglichkeiten rationaler Welterforschung. Nach der anderen Seite sucht er Lebens- und Sinnerfüllung im Bereich des Mystischen.
Dass mit Wittgenstein, ein Vertreter der »Wiener Moderne« in engster Weise mit Schopenhauer verbunden ist, ist kein Zufall. In der Wiener Philosophieszene des ausgehenden 19. Jahrhundert gab es eine ausgesprochene Aversion gegen die Spekulationen des Deutschen Idealismus. Idealismus- und hegelkritische Ansätze wurden bereitwillig aufgenommen.
Literatur:
Tractatus logico-philosophicus.
Logisch-philos. Abhandlung
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